Projekte

Visionen entwickeln, Visionen realisieren:

Projekt zur Resilienzstärkung mit kreativen Methoden im Auftrag von ubs e.V. in Berlin-Schöneberg

Seit September 2014 begleite ich zusammen mit meiner Kollegin Susanne Diehm im Auftrag von ubs e.V. 14 junge Auszubildende durch ihre Gastronomieausbildung. Unsere Aufgabe ist es, mit den Jugendlichen die Vision eines erfolgreichen Ausbildungsabschlusses und den Start in ein befriedigendes, existenzsicherndes Berufsleben zu entwickeln und über drei Ausbildungsjahre konsequent im Blick zu behalten. Dabei geht es vor allem darum, Selbstbewusstsein und –vertrauen aufzubauen, Durchhaltevermögen zu trainieren, den Teamgeist zu stärken und zur Freude am Lernen beizutragen. Denn Lernfreude haben die meisten unserer Schützlinge im Laufe ihrer Schulzeit verlernt. Mit kreativen Methodensorgen wir für neue Zugänge.

Engagement mit Kompetenz und Herz
Der Ausbildungsträger, ubs e.V., fördert junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die aufgrund sozialer Benachteiligungen oder Lernbehinderungen nur geringe Chancen haben, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ausgelöst durch schwierige Familien- und/oder Schulbiografien, leiden viele dieser Jugendlichen unter Konzentrationsschwierigkeiten. Es fällt ihnen schwer, einen langen Ausbildungstag durchzuhalten und vielfach fehlen jene Kernkompetenzen, die für eine erfolgreiche Berufsausbildung unerlässlich sind. Bei ubs e.V. erleben sie kleine Lerngruppen und eine familiäre Atmosphäre mit vielen Entwicklungsspielräumen. Zusätzlich zur Ausbildung in den betriebseigenen Kita-Großküchen, einer Kochschule mit á -la- carte-Restaurant und einer Konditorei, bietet ihnen der Verein eine eigene Förderschule, in der die Inhalte der Berufschule kontinuierlich vertieft werden. Dort und in der Kochschule werden sie intensiv auf ihre IHK-Prüfung vorbereitete. Wir arbeiten gerne für ubs e.V., weil hier deutlich spürbar ist, dass die Jugendlichen neben einer qualifizierten Ausbildung auch viel persönliches Engagement aller Beteiligten erfahren. Dort wird um den Erfolg eines jeden Azubis gekämpft.

Kreativitätstraining mit systemischem Ansatz 
Wir begleiten die Jugendlichen als „Coaches“ mit monatlichen Kleingruppen, vierteljährlichen Workshops und immer wieder mit Einzelcoachings, in denen auch private Themen ihren Platz finden. Wir arbeiten nach den Prinzipien der Systemischen Therapie und beherzigen dabei die Grundsätze integrativer, beziehungs- und ressourcenorientierter Arbeit: Kommunikation findet stets auf Augenhöhe statt. Auch wenn es manchmal schwerfällt: wir beachten die Prämisse, dass jedes Verhalten eine Ursache hat. Schul- und Leistungsverweigerung, aggressives Verhalten oder Rückzug – all diese Varianten sind Ausdruck von Anpassungsprozessen, die Kinder und Jugendliche vorgenommen haben, um auf ihre Art mit spezifischen Herausforderungen ihrer Lebenswelt umzugehen. Unangemessenes Verhalten ist vielfach ein Ausdruck ungelöster seelischer Konflikte, die durch Verletzungen oder Missachtung hervorgerufen wurde. Ehe die Betroffenen ihr Verhalten ändern können, müssen diesen Kontext erst selbst erkennen und neue Lösungswege für sich entdecken. Ohne Vertrauen geht das nicht.

Vertrauen schaffen
Wir arbeiten schrittweise an der Fähigkeit, sich für andere zu öffnen und gleichzeitig Achtsamkeit für eigene Gefühle zu entwickeln. Mit Übungen aus dem Kreativen Schreiben, die wir mit Malen, Gestalten, Gesprächen und Bewegung kombinieren, tasten wir uns an die Lebenswelt der Jugendlichen heran. Wir nutzen ihre Kommunikationsmittel, um zwischendurch in Kontakt zu bleiben. Weckrufe, Terminerinnerungen und Durchhalteparolen werden per Whats App durchgegeben, per SMS wird an den Schulbesuch erinnert, mit Yoga, Entspannungstechniken und sportlichen Aktivitäten gegen Stress und depressive Verstimmungen angekämpft. Unser Programm geht insoweit über die klassische Sozialarbeit hinaus, als schreib- und kunsttherapeutische Ansätze genutzt werden, um die Resilienz der Jugendlichen zu stärken, ihre Ausdrucksfähigkeit zu schulen und immer wieder um mit sich selbst und der eigenen Gefühlswelt in Kontakt zu kommen. Es werden auch ganz praktische Dinge trainiert, z.B. wie man Kritik so üben kann, dass sich niemand verletzt fühlt. Noch wichtiger ist es uns allerdings, immer wieder Gelegenheiten zu schaffen, in denen die Jugendlichen Erfolgserlebnisse haben, denn nach wie vor ist unsere Gesellschaft viel zu stark auf Schwächen fokussiert. Wir rücken individuelle Stärken in den Mittelpunkt.

Nach anfänglicher Skepsis nehmen die jungen Leute unser Angebot gerne wahr und lassen sich zunehmend bereitwillig auf ungewohnte Aufgabenstellungen ein. Themen wie Wertschätzung, Respekt, Vertrauen, Teamgefühl oder Gruppendruck – Inhalte, die ausnahmslos allen Azubis am Herzen liegen - können mit kunsttherapeutischen Mitteln anders als gewohnt bearbeitet werden. Die Übungen erreichen die Jugendlichen emotional und wirken daher besonders nachhaltig. Bislang gab es in jedem Treffen einen berührenden Moment. Das geschieht immer dann, wenn etwas „angekommen“ ist, oder wenn unsere TeilnehmerInnen zu einer überraschenden (Selbst-)Erkenntnis gelangen. Für uns sind es die schönsten Momente, wenn sie die Gruppe mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht verlassen.